Franz Rudolf Hager

Schriftsteller. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1871    † 1942

 

Lebenslauf

Franz Rudolf Hager wurde am 19.5.1871 in Wien geboren. Er war Schriftsteller.

Ehemaliger Anhänger von Schönerer und Strasser

Franz Rudolf Hager war ehemaliger Schönerer-Anhänger ("Vorbild" für Hitler), ab 1930 einer von Otto Strasser, der von 1931 bis 1938 die politische Kampforganisation "Schwarze Front" führte.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 1. 8. 1941 wurde Franz Rudolf Hager verhaftet, und am 13. 6. 1942 zum Tode verurteilt. Am 30.9.1942 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus der Anklageschrift vom 17. 2. 1942

„Der Angeschuldigte fand sich auch nach dem Umbruch in der Ostmark mit den gegebenen Verhältnissen nicht ab. Er war nach seinen eigenen Angaben der Ansicht, dass die Politik der nationalsozialistischen Staatsführung zum Niedergang des deutschen Volkes führen werde, und vertrat den Standpunkt, dass der Bestand Deutschlands nur durch ein Bündnis mit der Sowjetunion gesichert werden könne. Da er andererseits davon überzeugt war, dass das im August 1939 abgeschlossene deutsch-sowjetrussische Abkommen wegen der tiefen weltanschaulichen Gegensätze der Vertragspartner lediglich aus Zweck­mäßigkeitsgründen und nicht in ’ehrlicher Absicht‘ zustande gekommen sei, entschloss er sich im Herbst 1940, für seine alten politischen Ziele, den Anschluss an die Kommunistische Partei und die Sowjetunion, in der deutschen Bevölkerung zu werben. (…) Obwohl er an einer schweren Augenkrankheit litt, fertigte der Angeschuldigte von November 1940 bis Juli 1941 in für ihn mühseliger Arbeit etwa 200-300 Handzettel mit kommunistischen Losungen an.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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